bei Aldo, Rahel, Amos und Abigajil Ringger

Rösti mit Makrelen

Noch vor einem Monat sassen wir in unserer halb leer geräumten Wohnung zwischen Kisten, Fässern und Koffern bei 32 Grad und 76% Luftfeuchtigkeit in Douala und assen, was wir an restlichen Lebensmitteln noch im Haus hatten. Bei einem dieser Mittagessen zusammen mit unseren Kinder und der Haushaltshilfe prägte sich mir das Menü als Bild für mein momentanes Befinden ein. Es gab Rösti mit Zwiebeln drin und dazu aufgewärmte Makrelen (Fisch) in Tomatensosse aus der Dose. Wer wollte konnte noch scharfes "Piment" (Chilischoten-Pulver) ergänzend darüber streuen. Dazu ein zäher Eisbergsalat mit Avocado und Tomaten drin und süssen Rüeblisalat. Das Durcheinander im Menüplan sprach für mich aus, wie ich mich fühlte: Ein Schweizer im Ausland, der mit dem kocht, was er hat, sich einerseits auf einheimische Nahrungsmittel einliess und daran gewöhnt hatte, aber doch immer wieder gerne was europäisches / schweizerisches dazu einfliessen liess und dazuhin gerade daran war, wieder einmal ein zum Zuhause gewordener Haushalt aufzulösen und nebenbei noch alle emotionalen und körperlichen Spezialitäten einer Schwangerschaft irgendwie auf die Reihe zu kriegen...

Mittlerweilen sind wir in der Schweiz und leben bei einer Familie aus der Gemeinde, mehrheitlich noch aus Koffern und versuchen herauszufinden wann welche Kleidung dem Wetter entsprechend angezogen werden kann, welche Alltagsstruktur uns momentan helfen kann, was und wo unser "Zuhause" ist und wie es für uns in Zukunft weitergeht. Besuche, Gespräche, Hebamme, Engagement für die SAM (Organisation) stehen auf dem Terminplan, der sich wie von selbst plötzlich füllt... Dabei geniessen wir die leckeren Esswaren aus der Heimat aber immer noch ein bisschen durchmischt mit mitgebrachten Esswaren aus Kamerun. So gabs auch schon paar Mal noch "Gaari" (Hirse-Erdnuss-Getränk) oder angerührte Pulvermilch... Da gerade Ostern war, sind wir dem Kulturschock ausgesetzt, dass Schoggi nicht mehr länger als wertvolles Spezial-Luxus-Artikel zu betrachten gilt, sondern im Überfluss immer und überall als Nascherei-Gefahrt herumsteht. Wie dankbar sind wir jedoch, dass für unsere Kinder Äpfel und Birnen denselbigen Status geniessen und Hoch im Kurs stehen :-) Für viele hat mit dem schönen Wetter Anfang April und jetzt wieder die Grill-saison gestartet und so wurden durch die Versuchung von duftenden Fleisch- und Wurstwaren unsere Mägen und Verdauung bereits sofort auf die Feuerprobe gestellt.

Am SAM Fest letztes Wochenende in Basel durften wir nochmals etwas zurück eintauchen ins Erleben vom letzten Jahr und erfreuten uns über die Anteilnahme und den Austausch mit vielen Freunden und Betern, denen es ähnlich ging / geht. Das tat einerseits gut, andererseits war es ermüdend und herausfordernd. So erfreuen wir uns nun über etwas Ruhe und freie Tage bei Rahels Eltern zuhause, die Kinder geniessen die Aufmerksamkeit der Grosseltern und wieder etwas mehr Schlaf. 

Wir sind gespannt was die nächsten Monate in der Schweiz mit sich bringen werden. Der Monat Juni wird mit 2 Hochzeiten und der Geburt unseres 3.Kindes sicher sehr turbulent, jedoch gut definiert sein. Hingegen danach und gegen Ende Jahr zu haben wir momentan noch viele offene Fragen und Optionen. Mit der Zeit kommt Rat und werdet ihr von uns hören.